Lasercut: die Montage-Tricks der Modellbau- und Modellbahn-Profis

 

Was genau ist Lasercut?

Bei vielen Gebäudemodellen, beispielsweise in der weltgrößten Modellbahn-Anlage im Miniatur-Wunderland Hamburg, fragen sich die Besucher, wie ein derart detaillierter Modellbau überhaupt möglich ist. Die Antwort: Lasercut! Eigentlich müsste man LASER großschreiben, denn es ist das Akronym von „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation.“ Es wird aber üblicherweise die gemischte Schreibweise „Laser“ benutzt.

Bei Lasercut (auch Laserschneiden, Laserstrahlschneiden, Lasergravur) handelt es sich um ein Produktionsverfahren, bei dem mit einem Laser-Lichtstrahl Teile geschnitten und graviert werden. Lasercut-Modelle werden am PC entworfen und per CNC (Computer Numeric Control) wird die Steuerung der Lasercut-Maschine durchgeführt. Das Verfahren ist inzwischen im Preis sehr gesunken und in der Leistung enorm verbessert, sodass der Lasercut im Architektur-Modellbau eine große Rolle spielt. Für den Lasercut-Zuschnitt oder eine Gravur eignen sich viele Materialien: Glas, Gummisorten, Holz, Kork, Metalle, Pappe, Plexiglas, sogar spezielle Textilien. In den meisten Fällen wird für den Modellbau durchgefärbter Architektur-Karton verwendet. Die Gebäudemodelle sind aber deshalb „nicht von Pappe.“ Im Gegenteil: die Stabilität ist trotz des vergleichbar geringen Gewichts erstaunlich groß.

Lasercut-Modelle bieten Ihnen viele Vorteile

Im Vergleich zu den klassischen Bausätzen/Kunststoffbausätzen des Plastikmodellbaus bieten Lasercut-Modelle eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Der wichtigste Vorteil vom Lasercut: die Detailtreue ist überwältigend. Es lassen sich Strukturen wie Dachschindeln, Nieten oder Holzmaserungen realisieren. Die Präzision des Lasercut-Verfahrens ist so hoch, dass sich sogar Pflanzen, wie beispielsweise Schilf oder Rhabarber, für kleine Maßstäbe produzieren lassen.
  • Lasercut-Gebäudemodelle wirken durch die vorbildnahe Oberflächenstruktur und matte Oberfläche realistischer als Produkte des Plastikmodellbaus, die eine glänzende, unnatürlich-wirkende Kunststoffoberfläche haben.
  • Bei Lasercut-Modellen ist in den meisten Fällen keine farbliche Nachbearbeitung erforderlich. Das spart Zeit und Geld.
  • Da beim Lasercut natürliche Materialien verwendet werden, wird die Umwelt weniger belastet als bei der Herstellung von Kunststoffbausätzen.
  • Lasercut ermöglicht die Produktion geringer Stückzahlen (Kleinserien) eines Modells. Zwar bieten inzwischen auch bekannte Modellbau-Hersteller wie FALLER oder NOCH Lasercut-Modelle in großen Stückzahlen an, der besondere Reiz des Lasercut-Verfahrens liegt jedoch darin, dass auch kleine Stückzahlen zu wirtschaftlich interessanten Konditionen produziert werden können.

Tipp: Gehen Sie bem Zusammenbau eines Lasercut-Modells nach dem Grundprinzip vor, dass Sie von innen nach außen arbeiten. Wenn Sie Außenteile verklebt haben, sind innenliegende Bereiche möglicherweise nicht mehr zugänglich.

Profi-Tipps zur Montage von Lasercut-Modellen

Der Bau von Lasercut-Gebäudemodellen aus Architekturkarton (sagen Sie bloß nicht Pappe!) unterscheidet sich in manchen Punkten von der Verwendung der herkömmlichen Kunststoffbausätze. Wenn Sie die folgenden Punkte berücksichtigen, haben Sie beste Voraussetzungen für ein herausragendes Modellbau-Erlebnis und -Ergebnis mit Lasercut-Modellen:

  • Trennen Sie die Lasercut-Einzelteile mit einem Skalpell aus dem Lasercut-Bogen heraus. Ein normales Bastelmesser (Cutter) ist weniger geeignet. Wichtig beim Schneiden ist, dass Sie gerade und senkrecht schneiden. So haben Sie eine exakte Kante und sparen Nachbearbeitungen ein.
  • Prüfen Sie vor dem Verkleben alle Einzelteile auf Passgenauigkeit. Ein Verschieben ist nicht möglich, da alle Lasercut-Teile Rastnasen und Schlitze haben, um die hohe mechanische Stabilität sicherzustellen. Vermeiden Sie daher etwaige Kanten mit Schmirgelpapier zu schleifen.
  • Zum Verkleben von größeren Lasercut-Teilen ist Weißleim (Ponalkleber, Ponal Express) oder Buchbinderleim ideal. Lasercut-Profis empfehlen BINDAN RS von Bindulin. Den Klebstoff am besten mit einem kleinen Pinsel beidseitig dünn auf die Klebestelle auftragen und die Lasercut-Teile unter kurzem Druck zusammenfügen. Beachten Sie, dass der Kleber Zeit benötigt, um zu trocknen. Fixieren Sie die Klebestellen der verleimten Lasercut-Bauteile beispielsweise mit Gummibändern, Wäscheklammern oder kleinen Federklemmen.
  • Bei wirklich großen Lasercut-Teilen können Sie den Weißleim 1 zu 2 (Leim zu Wasser) zu einer streichfähigen Konsistenz verdünnen. Kontrollieren Sie diesbezüglich auch die Herstellerempfehlungen. Vorteil des Weißleims: Er trocknet transparent aus.
  • Für Lasercut-Kleinteile haben sich der Kartonmodellkleber von Kittifix und der Papierkleber von Rayher bewährt. Diese Klebertuben haben sehr feine Düsen zum Dosieren des Klebers und ziehen keine Fäden. Testen Sie die richtige Menge des jeweiligen Klebers am besten immer an einem Kartonrest. Sie brauchen bestimmt weniger als Sie erwarten.
  • Je nach verwendetem Kleber können Wasserränder in den Wänden des Lasercut-Modells entstehen. Das sollten Sie einfach ignorieren, denn diese verschwinden beim Trocknen ganz von alleine wieder. Sollte es später doch einmal notwendig sein, eine Klebestelle eines Lasercut-Modells wieder zu lösen, eignet sich Aceton.
  • Oft sind in den Lasercut-Gebäudebausätzen in der Bodenplatte Löcher vorgelasert, die Sie nach Bedarf ganz öffnen, um Kabel für eine Beleuchtung unsichtbar zur Decke zu führen. Es empfiehlt sich, die Beleuchtung vor dieser Montage einzubauen.

Lasercut-Modelle brauchen in den meisten Fällen nicht farblich nachbehandelt zu werden, apparativ aufwändige Airbrush-Farbgebungen sind meist unnötig. Um Lasercut-Modelle zu altern, empfehlen die Hersteller die Trockenpinseltechnik (Dry-Brush-Technik) mit Acrylfarben oder Pulverfarben. Pulverfarben lassen sich durch Abrieb von Künstlerkreide auf Schmirgelpapier selbst erstellen. Tragen Sie das Pulver mit einem weichen Pinsel auf Ihr Lasercut-Modell auf. Nachteil der Pulverfarben ist, dass Sie die behandelten Stellen nicht mehr berühren sollten. In manchen Fällen macht es Sinn, das Pulver mit ein wenig mattem Sprühlack zu fixieren. Dünnflüssige Wasser- und Plakafarben sind definitiv ungeeignet.

(c) Rudolf Ring

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